SERSHEIM, 02. AUGUST 2010

Erinnerung an alte Heimat gepflegt

Achtes Zenderscher Treffen in Sersheim - Siebenbürger Sachsen feiern Wiedersehen

Zum achten Mal war die Gemeinde Sersheim am Wochenende der Ausrichtungsort des Treffens der ehemaligen Bewohner von Zendersch, einer kleinen Ortschaft im rumänischen Siebenbürgen.

Traditionspflege: In Trachten sangen die Siebenbürger Sachsen in Sersheim. Foto: Martin Kalb
Traditionspflege: In Trachten sangen die Siebenbürger Sachsen in Sersheim. Foto: Martin Kalb

Von Freitag bis Sonntag trafen sich rund 600 ehemalige Zenderscher in der Mettergemeinde, um Wiedersehen zu feiern und sich auszutauschen.

Rund 700 Jahre lebten die Siebenbürger Sachsen als deutsche Minderheit im heutigen Rumänien, bis die Wirren des Zweiten Weltkrieges und der anschließende Kalte Krieg eine Auswanderungswelle in Gang setzte. Heute lebt der Großteil der Siebenbürger in Deutschland und Österreich, wo sie sich zu Heimatortsgruppen (HOG) zusammengeschlossen haben, um die Erinnerung an die alte Heimat zu pflegen.

Auch die Zenderscher haben vor vier Jahren eine solche eine solche HOG gegründet: "Wir sind rund 60 aktive Mitglieder, die diese im vier- oder fünfjährigen Turnus stattfindende Großveranstaltung organisieren", berichtete die stellvertretende Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Zendersch e.V. in Sersheim, Brigitte Reuss. "Wir halten unsere Treffen hier in Sersheim ab, weil viele ehemalige Zenderscher im Stuttgarter Raum eine neue Heimat gefunden haben und weil wir hier sehr willkommen sind", so die Siebenbürger Sächsin, die seit 1977 in der Nähe von Frankfurt lebt.

Der erste Vorsitzende der HOG Sersheim, Richard Jacobi, erinnerte in seiner Begrüßungsrede daran, wie wichtig es sei, das Gestern und Heute nie unabhängig voneinander zu betrachten und bewerten: "Lernen aus der Erinnerung heißt Zukunft begründen und Gegenwart festigen", sprach er zu seinen ehemaligen Mitbürgern und deren Angehörigen und Nachkommen. Auch der Sersheimer Pfarrer Johannes Rau knüpfte an diesen Aspekt an, als er die Zenderscher mit den Worten des Apostels Paulus in Sersheim herzlich willkommen hieß: "Nun aber bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung. Die Liebe aber ist die größte unter ihnen", sagte der evangelische Pfarrer. Diese Liebe sei bei dem Treffen allseits spürbar: "Es ist schön, diese Freude zu sehen, die sie aneinander haben."

Die musikalischen Grüße kamen von einer Kapelle, deren Mitglieder zum Großteil aus Zendersch stammt. Beim Lied der Siebenbürger, das die Musiker unter der Leitung von Reinhard Konyen nach der Deutschen Nationalhymne spielten, fassten sich die Festgäste an den Händen und umarmten sich und zeigten so ihre innige Verbundenheit.

Von nah und fern waren die Gäste des Treffens nach Sersheim gekommen. "Wir leben in Augsburg, kommen aber zu jedem Treffen der Zenderscher und besuchen auch viele andere Veranstaltungen der Siebenbürger Sachsen", berichteten Elke und Reinhold Klein. "Wir selbst kamen als 17-Jährige 1982 nach Deutschland, weniger aus wirtschaftlichen als aus Gründen der Familienzusammenführung", sagte Elke Klein, die passend zum festlichen Anlass wie Tochter Julia ein Dirndl anhatte. "Allerdings keine Siebenbürger Tracht, sondern eine bayrische", verriet sie lachend.

Trachten aus Siebenbürgen konnte man im Foyer der Sport- und Kulturhalle an Puppen bewundern. Dort im Eingangsbereich gab es auch Gelegenheit, sich an Informationstafeln über Geschichte und Gegenwart der alten Heimat zu informieren.

"Die nachwachsende Generation kennt die siebenbürgische Heimat ja nur noch von Erzählungen, Fotos und vielleicht auch mal einer Reise nach Rumänien. Da ist so ein Treffen eine wunderbare Gelegenheit, die Erinnerung im lebendigen Austausch wach zu halten", erläuterte Brigitte Reuss. Miriam Staudacher