Bräuche und Sitten zur Weihnachtszeit
in der Ortsgemeinde Zendersch

 
 

Sächsische Weihnachtsbräuche in Sachsenheim

 
 
Ein Brauch zur Weihnachtszeit war, unter anderem, das Wintergrün holen - Biarenwaynd um die Leuchter zu schmücken.
Vor dem 2. Weltkrieg war dies ein besonders gepflegter Brauch für die Schulkinder. Für die 8 besten Schüler der 7. Schulklasse, 4 Mädchen und 4 Jungen, war es eine besondere Ehre die Part zu erhalten und demzufolge als Partenführer ernannt zu werden.

Am 1. oder 2. Advent, je nach Wetterlage, war es dann soweit. Man bildete 8 Gruppen, die in den Kirchenwald hinaus zogen um Biarenwaynd zu pflücken.

Die 4 Parten der Jungen schickten je 2 Feuermacher vor, um Holz für die Feuer zu sammeln. Diese Feuer waren zu der Zeit sehr wichtig, weil im Dezember immer strenge Winter herrschten.
Die Kinder wärmten sich zwischendurch die eingefrorenen Hände an den Feuern. Waren die Körbe voll mit Biarenwaynd, sammelten sich die Kinder um die Feuer und es wurde gemeinsam das Mitgebrachte gegessen und getrunken.

Zum Abschluss sangen die Kinder das Siebenbürgen Lied und traten danach den Heimweg an. Im Dorf angekommen wurde das Lied: "Oh wie ist es kalt geworden" angestimmt. "Bem Roajen" auf dem Tanzplatz bildete man einen großen Kreis und es erklang abermals das Siebenbürgen Lied. Danach gingen alle Kinder gemeinsam heim.

Am 4. Advent wurden die Leuchter von den Müttern der 8 Partenführer unter tatkräftiger Mithilfe von Freunden und Verwandten fertig gestellt.

Am Heiligen Abend vor dem Gottesdienst trugen die Partenführer die Leuchter in die Kirche, jeder auf seinen bestimmten Platz und zündeten die Kerzen darauf an. Ebenfalls am Heiligen Abend wurde von den Kindern die Heilige Botschaft mit einem Krippenspiel und Gedichte zur Geburt Jesu vorgetragen. Die größte Freude aber war für alle Kinder die Bescherung am Ende des Gottesdienstes.

Ein weiterer Brauch in Zendersch waren die Hirtenfeuer der Heiligen Nacht. Man bildete Kameradschaften und jeder brachte ein Reisigbündel mit, die auf den Bergeshöhen rings um das Dorf zu Pyramiden gestaffelt wurden. Es sollen bis zu 10 Feuer gewesen sein. Um 22.30 Uhr - 23.00 Uhr läutete die große Glocke. (Glockenklang => Männerchor)

Mit dem letzten Glockenschlag um 23 Uhr entzündete man die Feuer und die Adjuwanten, in anderen Ortschaften Turner genannt, sangen auf dem Kirchturm die Weihnachtsweise "Puer natus". Der erste Teil wurde lateinisch gesungen.

Da Kirche und Kirchturm sich auf einer Anhöhe außerhalb des Dorfes befinden, hat man Puer natus in 2 Himmelsrichtungen gesungen und so die heilige Botschaft über das ganze Dorf getragen. Auf den Straßen standen die Menschen nahe beisammen, lauschten den vertrauten Klängen und bestaunten die um das Dorf lodernden Feuer.
Die gleiche Weihnachtsweise sang der Männerchor danach für den Pfarrer vor dem Pfarrhaus. Bei Glühwein und Bratwurst brachten die Adjuwanten im Adjuwantenzimmer den Heiligen Abend in stiller Besinnung zu einem guten Ende.

Die Heilige Nacht war meist eine kurze Nacht, da um 5.30 Uhr die Glocken zur Frühmesse riefen, wo die Adjuwanten den 2. & 3. Teil der Weihnachtsweise "Puer natus" sangen. Die Kinder sammelten sich bei ihrem Leuchter und sangen abwechselnd das Lied "Die ist der Tag den Gott gemacht". Die letzte Strophe wurde gemeinsam mit der Gemeinde gesungen.

Auch in den 60 - 80-er Jahren erhielten wir, in kleinerem Umfang, diese Bräuche aufrecht.
Die Parten wurden nicht mehr an die besten Schüler vergeben, sondern an das älteste Mädchen und den ältesten Jungen der 8. Klasse, also nur noch 2 Parten, demzufolge standen in der Kirche nur noch 2 Leuchter.

Eine kurze Anekdote beim Biarenwaynd sammeln aus meiner Zeit:

Wir gingen nicht mehr in den Kirchenwald, sondern in den Staatswald, wo die Eichhörnchen es den Jungen angetan hatten. Wir kletterten ihnen hinterher und vergaßen unsere eigentliche Aufgabe, das Biarenwaynd sammeln. Um nicht mit leeren Körben heim zu gehen, borgten wir ungefähr die Hälfte, des von den Mädchen gesammelten Biarenwayn´s. Dieses hatte zur Folge, dass beide Gruppen nochmals zum Sammeln in den Wald mussten.

Auch die Feuer der Heiligen Nacht, nicht mehr 10, sondern nur 2-3 wurden errichtet.
In den letzten Jahren kam hinzu, dass wir den Schriftzug: "Stille Nacht, Heilige Nacht" in den Schnee einbrachten, die Buchstaben mit Asche füllten, mit Petroleum tränkten und um 23 Uhr anzündeten.

Nur in wenigen Gemeinden der Landeskirche gab es noch den Brauch des Leuchtersingens, weil er durch den Einzug des Weihnachtsbaumes aus den Kirchen verdrängt wurde.
In Zendersch aber, konnte das Leuchter singen, die Feuer der Heiligen Nacht, sowie die Weihnachtsweise "Puer natus" bis zur Auswanderung der meisten Zenderscher erhalten werden.


Horst Prudner
 
     
 

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